Jüdische Kulturtage zwischen Harz und Heide Konzert für Gesang und Klavier in der Stabkirche

Jüdische Kulturtage zwischen Harz und Heide  Konzert für Gesang und Klavier in der Stabkirche

Wann

17. September 2026    
19:30 - 21:30

Wo

Stabkirche Hahnenklee
Professor-Mohrmann-Weg 1, Hahnenklee-Bockswiese, Niedersachsen, 38644

Veranstaltungstyp

Am Donnerstag, den 17. September, wird um 19:30 Uhr ein Konzert mit Musik für Gesang und Orgel in der Stabkirche Hahnenklee erklingen. Pia Viola Buchert (Gesang) und Tatjana Dravenau (Klavier) werden in diesem Konzert Ihr Programm „Eisnacht“ mit Musik jüdischer Komponistinnen präsentieren.

Foto: Pia Buchert Japan Yuri

Die sechs Komponist*innen, deren Lieder in diesem Programm erklingen, wurden zwischen 1890 und 1924 geboren. In ihren zwischen 1917 und 1997 entstandenen Kompositionen bildet sich die stilistische Vielfalt des 20. Jahrhunderts ab, die vom expressiven, spätromantischen Stil Hans Gáls über die sphärische Polyphonie von Felix Wolfes bis zu den hoch individualisierten Liedern Ruth Schonthals reicht. Gemeinsam ist den sechs Künstler*innen, dass die Verfolgung jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Diktatur zu radikalen Einschnitten und Brüchen in ihrer aller Leben führte. Der jeweilige Lebensweg, der Ort des Exils und das gesellschaftliche Umfeld, in dem die kompositorische Laufbahn fortgeführt wurde, haben die Weiterentwicklung ihrer Kompositionsstile beeinflusst und geprägt. Zugleich weisen die bis zu 500 Jahre alten Texte der Lieder Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung und Exil als Konstante der Menschheitsgeschichte aus. Mit diesem Programm und der von Pia Viola Buchert und Tatjana vor kurzem eingespielten CD „Eisnacht“ (Genuin, 02/2026) möchten die beiden zur Rezeption dieser Lieder beitragen und würdigen, dass diese Menschen die Kraft und Kreativität besessen haben, das Erlebte seelisch und künstlerisch zu bewältigen. Dadurch haben sie eigenständige Kunstwerke geschaffen, die in ihrer künstlerischen Bedeutung weit über die Verarbeitung biographischer Ereignisse hinausweisen.

Die Würzburger Mezzosopranistin Pia Viola Buchert absolvierte ihr Gesangsstudium bei Prof. Lars Woldt an der Hochschule für Musik Detmold, der Hochschule für Musik und Theater München, sowie an der Theaterakademie August Everding. Schwerpunkt Ihres künstlerischen Schaffens ist die Kammermusik. Ihrer Liebe zum Liedgesang geht Sie in verschieden Ensembles z.B. mit der Pianistin Tatjana Dravenau oder der Harfenistin Jenny Meyer nach. Liederabende führten Sie in die Philharmonie Essen, das Orchesterzentrum Dortmund und das Robert-Schumann-Haus Zwickau. Als Solistin ist Sie zudem regelmäßig bei Ensembles Alter und Neuer Musik zu Gast, darunter das Ensemble Horizonte, das Bremer Barockorchester, das Telemannische Collegium Michaelstein und sowie auf Festivals wie den Haller Bachtagen, Musik 21, der Münchner Biennale oder dem Hörfest Neue Musik.

Ihre Opern- und Konzerttätigkeit umfasst zahlreiche Auftritte mit Klangkörpern wie dem Münchner Rundfunkorchester, dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz, der Nordwestdeutschen Philharmonie, dem Detmolder Kammerorchester, und dem Barockorchestern Accademia di Monaco. Dabei arbeitete Sie mit Dirigenten wie Ulf Schirmer, Ernst Theis, Paul Goodwin und Eva Pons.

Das breit gefächerte künstlerische Schaffen der Mezzosopranistin ist in zahlreichen CD Aufnahmen und Rundfunkeinspielungen dokumentiert.

Tatjana Dravenau engagiert sich für die Neu- und Wiederentdeckung selten gehörter Kompositionen. Für den WDR Köln nimmt sie regelmäßig Ersteinspielungen auf, darunter Werke von Evelyn Faltis, Mathilde von Kralik, Hildegard Quiel, Bertha Wegener-Koopman, Alwine Feist und Max Reger. Othmar Schoeck und Conrad Ansorge stehen im Mittelpunkt eines 2021 entstandenen Konzertfilms mit Daniel Johannsen.

Zudem richtet sie die Aufmerksamkeit auf den durch die Verbindung von Musik und Sprache entstehenden Bedeutungsreichtum. So wird die 2025 mit Catalina Bertucci und Georg Poplutz für Genuin produzierte CD Kannst Du das Lied verstehn? von einer Buchpublikation im Waxmann-Verlag begleitet, in der Kontextinformationen zu den Symbolbedeutungen der auf der CD versammelten Lieder über Blumen und Bäume enthalten sind.

Mit einer Fellowship für Innovationen in der digitalen Hochschullehre des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft des Landes NRW hat die an der Folkwang Universität der Künste in Essen lehrende Liedpianistin die Website Liedinterpretation online aufgebaut, die musik- und literaturwissenschaftliche Analysen mit Liedbegleitungen kombiniert; dafür wurde ihr der Landeslehrpreis NRW 2023 in der Kategorie Kunst- und Musikhochschulen verliehen. Sie ist u.a. Preisträgerin des Julian Jacobson Awards und der John Ireland Competition London sowie ständige Begleiterin beim Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau.

Das Konzert ist Teil der Jüdischen Kulturtage zwischen Harz und Heide, 2026 und findet mit Unterstützung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., der Dwight und Ursula Mamlok-Stiftung sowie der Kunststiftung NRW statt.

Der Eintritt zu dem Konzert in der Stabkirche ist frei, es wird um eine Spende gebeten.