Unklarheiten bei Asbestfunden in Haus 7 sorgen für Verunsicherung, dazu Baustopp in Haus 1 und Bauverzögerung in Haus 5
Hahnenklee. Nach ersten „eigentlich“ erfolgreichen Sanierungsmaßnahmen der Häuser 3 und 4 im Ferienpark Hahnenklee geraten Eigentümer und Verwaltungen zunehmend unter Druck. Was zunächst nach planmäßiger Modernisierung aussah, entwickelt sich nun zu einer Angelegenheit mit vielen offenen Fragen.
In Haus 7, das von einer Braunschweiger Verwaltung betreut wird, wurde Asbest festgestellt. In der Folge kam es zu entsprechenden Sanierungs- und Entsorgungsarbeiten. Brisant ist jedoch: Bereits im Jahr 2022 sollen Proben in mehreren Wohnungen entnommen worden sein – darunter auch in dauerhaft bewohnten Einheiten.
Nach Recherchen von Hahnenklee-aktuell.de wussten mehrere Eigentümer offenbar nichts von diesen Beprobungen. Die offiziellen zwei Probennehmer eines beauftragten Unternehmens aus Hannover seien bei den Bewohnern nicht vorstellig geworden. Stattdessen berichten Eigentümer lediglich von vereinzelten Arbeiten durch Hausmeister, etwa Bohrungen im Badezimmer oder das Entfernen von Fliesen.
Zusätzliche Irritationen ergeben sich aus dem Prüfbericht selbst, der unserer Redaktion vorliegt. Während auf der ersten Seite von drei untersuchten Wohnungen die Rede ist, werden im weiteren Verlauf Proben aus insgesamt sechs Wohnungen aufgeführt.
Auch die Ergebnisse werfen Fragen auf. So wurde in zwei direkt benachbarten Wohnungen mit offenbar identischer Bausubstanz einmal Asbest im Fliesenkleber nachgewiesen – in der anderen jedoch nicht.
Eine telefonische Nachfrage bei dem beteiligten Unternehmen brachte zunächst wenig Klarheit. Der Mitarbeiter, der auch der Probennehmer gewesen sein soll, zeigte sich überrascht über die widersprüchlichen Ergebnisse und konnte sich diese nicht erklären. Zunächst gesprächsbereit, brach er das Gespräch kurze Zeit später jedoch ab, nachdem deutlich wurde, dass es sich um eine journalistische Anfrage handelt. Weitere Auskünfte wurden mit Verweis auf fehlende Zuständigkeit und Zeit verweigert und auf die Braunschweiger Verwaltung verwiesen.
Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte es erste Zweifel am Umgang mit möglichen Schadstoffen gegeben. In Haus 1, wo die Sanierungsarbeiten begannen, waren laut Beobachtungen keine Handwerker in Schutzkleidung zu sehen. Auch eine fachgerechte Entsorgung von asbesthaltigem Material – etwa in speziellen Sicherheitsbehältern – sei nicht erkennbar gewesen. Die Häuser 1 bis 6 werden von einer örtlichen Immobilienverwaltung betreut.
Für Eigentümer und Bewohner bleibt die Lage angespannt. Die widersprüchlichen Informationen, fehlende Transparenz und offene Fragen zum Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen sorgen zunehmend für Verunsicherung.
Die Situation im Ferienpark Hahnenklee spitzt sich weiter zu. Nachdem in Haus 1 bereits vor einigen Wochen ein behördlicher Baustopp verhängt wurde, müssen sich Eigentümer und Bewohner nun auf weitere Verzögerungen einstellen.
Wie die örtliche Verwaltung gestern mitteilte, werden sich die Arbeiten auf unbestimmte Zeit verschieben. Auslöser soll eine anonyme Anzeige bei den zuständigen Behörden gewesen sein. In der Folge wurden erneute Proben genommen. Zwar konnte dabei kein Asbest nachgewiesen werden, jedoch fanden sich Spuren von Mineralwolle. Diese gelten als potenzielle Quelle für gesundheitsbelastenden Feinstaub, weshalb nun eine umfassende Spezialreinigung erforderlich ist. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung schwierig: Entsprechende Fachfirmen seien derzeit stark ausgelastet und kurzfristig nicht verfügbar, heißt es seitens der Verwaltung.
Auch in einem weiteren Gebäude kommt es zu Verzögerungen. In Haus 5, wo ursprünglich die Strangsanierung beginnen sollte, wird sich der Start ebenfalls auf unbestimmte Zeit verschieben. Hintergrund ist eine Auflage des Landkreises. Demnach müssen vor Beginn sämtlicher Sanierungsarbeiten zunächst ein vollständiges Gefahrenstoffkataster erstellt sowie der Kellerbereich fachgerecht gereinigt werden.
Zwei entsprechende Schreiben der Verwaltung liegen unserer Redaktion vor. Die neuen Anforderungen dürften den Zeitplan für die geplanten Maßnahmen erheblich beeinflussen.
Für die Eigentümer bedeutet dies weiterhin Unsicherheit – ein Ende der Verzögerungen ist derzeit nicht absehbar.
Klar ist nur: Die Aufarbeitung der Vorkommnisse und die Einhaltung behördlicher Vorgaben werden den Ferienpark noch länger beschäftigen.
Hier sicherlich auch gerechtfertigt die Frage an die Verwaltung: Wie konnte es überhaupt dazu kommen?
Wie es weitergeht, bleibt derzeit offen…
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Quelle: Deutsche Journalisten Akademie
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