Wer Transparenz verweigert, verspielt Vertrauen
Hahnenklee. Öffentliche Großveranstaltungen leben vom Vertrauen. Besucher vertrauen darauf, dass ihre Sicherheit höchste Priorität besitzt. Anwohner vertrauen darauf, dass Risiken bedacht wurden. Behörden vertrauen darauf, dass Veranstalter ihre Verantwortung ernst nehmen. Und die Öffentlichkeit vertraut darauf, dass berechtigte Fragen beantwortet werden.
Genau dieses Vertrauen setzt die Hahnenklee Tourismus GmbH derzeit aufs Spiel.
Ende Juni 2026 hat Hahnenklee-aktuell der Veranstalterin einen umfangreichen Fragenkatalog übersandt. Es ging weder um Einsatzpläne noch um vertrauliche Sicherheitsdetails. Gefragt wurde nach Selbstverständlichkeiten: Wurde das Sicherheitskonzept nach den Vorfällen beim Walpurgisfest überarbeitet? Gibt es ausreichend Sicherheitskräfte? Wie wird der Jugendschutz kontrolliert? Wie sollen verbotene Gegenstände verhindert werden? Welche Maßnahmen gibt es gegen Drohnenflüge? Wie arbeiten Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdienste zusammen?
Die Antwort der Veranstalterin ist bemerkenswert – nicht wegen ihres Inhalts, sondern weil sie keinen hat.
Keine einzige der 17 Fragen wurde beantwortet.
Stattdessen erklärt Geschäftsführerin Isabel Junior, für den Fragenkatalog gebe es “keinerlei sachliche und objektive Veranlassung”. Eine Aussage, die sprachlos macht.
Wenn Fragen zur Sicherheit einer Veranstaltung mit mehreren tausend Besuchern angeblich keiner sachlichen Veranlassung bedürfen – welche Fragen denn dann?
Gerade Sicherheitsfragen gehören zum Kern jeder öffentlichen Veranstaltung. Sie sind weder ungewöhnlich noch überzogen. Sie sind journalistische Pflicht. Wer sie stellt, betreibt keine Stimmungsmache, sondern erfüllt genau die Aufgabe, die eine freie Presse in einer demokratischen Gesellschaft hat: Verantwortliche mit berechtigten Fragen zu konfrontieren.
Besonders irritierend ist der Verweis auf mehr als 25 Jahre Veranstaltungserfahrung.
Erfahrung ist kein Sicherheitskonzept.
Erfahrung ersetzt keine Transparenz.
Und Erfahrung beantwortet keine einzige konkrete Frage.
Wer Verantwortung trägt, darf sich nicht hinter seiner Vergangenheit verstecken. Gerade nach den öffentlich diskutierten Problemen beim Walpurgisfest wäre Offenheit das einzig richtige Signal gewesen. Damals sorgten Drohnenflüge über dicht gedrängten Menschenmengen (Hahnenklee-aktuell.de berichtete), beschädigte und überrannte Bauzäune, Berichte über eine geringe sichtbare Sicherheitspräsenz sowie fehlende Einlasskontrollen für erhebliche Diskussionen.
Ob daraus Konsequenzen gezogen wurden?
Die Öffentlichkeit erfährt es nicht.
Nicht weil es keine Fragen gegeben hätte.
Sondern weil die Veranstalterin jede Antwort verweigert.
Dabei verlangt niemand die Veröffentlichung sensibler Einsatzpläne. Niemand möchte Sicherheitskonzepte offenlegen, die Missbrauch ermöglichen könnten. Es geht um etwas deutlich Grundsätzlicheres: die nachvollziehbare Erklärung, dass Risiken erkannt wurden und entsprechende Maßnahmen getroffen werden.
Genau diese Transparenz verweigert die Hahnenklee Tourismus GmbH vollständig.
Wer stattdessen erklärt, für Sicherheitsfragen gebe es keine objektive Veranlassung, sendet ein fatales Signal. Es entsteht der Eindruck, als seien kritische Nachfragen unerwünscht. Doch öffentliche Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen müssen öffentliche Kontrolle aushalten. Das ist keine Zumutung, sondern Bestandteil demokratischer Verantwortung.
Vertrauen entsteht nicht durch Eigenlob.
Vertrauen entsteht durch Offenheit.
Ein professioneller Veranstalter zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er auf jahrzehntelange Erfahrung verweist. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er kritische Fragen beantwortet, Transparenz schafft und nachvollziehbar erklärt, wie er die Sicherheit seiner Gäste gewährleistet.
Das Sommerfest wird hoffentlich friedlich verlaufen. Das wünschen sich Besucher, Gastronomen, Einsatzkräfte und auch wir.
Doch Sicherheit endet nicht am Veranstaltungstag.
Sie beginnt mit verantwortungsvoller Kommunikation.
Und genau daran fehlt es derzeit.
Denn wer auf berechtigte Sicherheitsfragen nur mit Schweigen antwortet, stärkt kein Vertrauen – er beschädigt es.
Hier gibt es Impressionen vom Sommerfest 2025, wie auch das abschliessende Höhenfeuerwerk





